Salbit - Westgrat 6b+

Salbit - Westgrat 6b+

15.8.2020

Schon viel wurde über den Salbit Westgrat geschrieben und diskutiert. 
Wer in punkto Felsqualität in den Alpen eine ähnlich lange Tour klettern will, wird lange danach suchen und vergeblich dazu.
Die Tour führt über 6 Türme, wobei der sechste Turm den Gipfel darstellt. 32-36 Seillängen, davon die meisten im oberen fünften Franzosengrad. Viele Runouts und wie gesagt bombastischer Fels, vom ersten bis zum letzten Meter.
 

Turm 1
1Sl. 6b: Die erste Seillänge ist auch gleich die Schlüsselseillänge der Tour. Es geht direkt relativ steil zur Sache. In der zweiten Hälfte folgt die Crux bei einer kurzen Traverse von links nach rechts in den Riss. Der Bohrhaken steckt hier so, dass auch gut p.a geklettert werden kann. Nun ist man bestens aufgewärmt. Wer hier noch Reserven hat, sollte in der Folge trotzdem sparsam mit den Kräften umgehen. Es wird eine lange Tour.
2Sl. 5c+: Die wohl einfachste 5c auf dieser Tour. Eine steile, aber kurze und griffige Piazverschneidung gilt es zu überwinden. Danach legt sich das Terrain zurück und es folgt einfacheres Gelände.
3Sl. 5a: Zwischendruch Gehgelände, welches durch felsige Aufschwünge unterbrochen wird.
4Sl. 4b: Zwischendruch Gehgelände, welches durch felsige Aufschwünge unterbrochen wird.
5Sl. 5a: 
Zwischendruch Gehgelände, welches durch felsige Aufschwünge unterbrochen wird.
6Sl. 5b: Hier drückt der Salbitschijen das erste mal den Bewertungshammer auf. Nicht dass die Kletterei an dem leicht abdrängenden Riss sehr schwierig daherkommt, mit einer 5b aus dem Klettergarten hat diese jedoch wenig zu tun. Aber man weiss ja, am Salbitschijen waren die Erstbegeher noch keine Memmen wie anderswo. Die Seillänge ist aber sehr cool und man erinnert sich gerne daran zurück.
7Sl. 4c: Eine kurze Kletterpassage links nach dem Stand. Die Bohrhaken über die Platte gehören zu etwas anderem.
8Sl. 6a: In schöner Risskletterei erreicht man die glatte Ausstiegsverschneidung. Lässt sich gut mit kleinen Friends entschärfen.
9Sl. 3: Einfacheres Klettergelände führt auf den ersten Turm.
Abseilerei: zuerst 12m nach norden und dann kurz abklettern. Anschliessend nochmals 20m.

Turm 2
10Sl. 5c: Nun folgt ein fast 50m langer Piazriss. Die alten Sanduhrschlingen sind wohl nur noch mit Vorsicht zu geniessen. Es lassen sich aber beliebig Friends platzieren. Auf Seilreibung ist hier speziell zu achten, da die Seillänge in dreiviertel Höhe einen scharfen Rechtsknick macht.
11.Sl. 6a: Der Holzkeilriss bietet alles, was das Granitkletterherz höher schlagen lässt. Nichts für Warmduscher.
12Sl. 4b: Nach einem kurzen Steilaufschwung nach dem Standplatz folgt wieder Cruisinggelände.
13Sl. 5b: Und wieder darf ordentlich zugepackt werden an riesigen Schuppen. Super.
14Sl. 3: Crusinggelände auf den Gipfel vom zweiten Turm.
Abseilerei: 10m und dann nochmals volle 50m.

Turm 3
15Sl. 4c: Schöne und einfache Kletterei über den Hahnenkamm bis unter das kleine Steilwändchen.
16Sl. 6a+: Das ist eine dieser Seillängen, wo sich jeder Westgratkletterer noch dran erinnern wird. Neben der schwierigsten 6a+ im Tessin (link), gibt es hier die schwierigste 6a+ im Kanton Uri.
17Sl. 4b: Im Auf und ab geht es weiter in Richtung Turm 3. Wer hier die Seilreibung reduzieren will, kann auch gut improvisieren und daraus zwei Mikroseillängen machen.
18Sl. 5a: Einfache Kraxlerei mit einem kurzen Mantle auf den Gipfel.
Abseilerei: 40m

Turm 4
19Sl. 5a: Sehr schöne Riss- und Verschneidungskletterei.
20Sl. 6b: Auch diese Seillänge kann mit 1 p.a. geklettert werden. Dann checkt sie ca. bei 5c ein. An der Kante gibts kleine Leisten zum hochbouldern.
21Sl. 5c: Da ist der nun, der Superkamin aka. Schinderriss. Habe den Rucksack runtergehängt, viel bringen tut's nicht wirklich. Coole Sache zur Abwechslung.
22Sl. 5c+: Steile, griffige Kletterei mit unzähligen Schlaghaken. Auch wenn ich die Route mit Friends und in Halbseiltechnik abgesichert habe, konnte ich etwas Seilzug nicht vermeiden. Rechts weg führt eine Variante an den bekannten Verhauerstand.
Abseilerei: 45m überhängend zum Hotel Salbit.

Turm 5
23Sl. 4c: Über eine Rampe klettert man vom Hotel Salbit  hinauf in die Scharte IV - V.
24Sl. 4c: Die schweirigste 4c am Grat. Dies ist die einzige Seillänge wo die Felsqualität nicht 5 Sterne erreicht. Trotzdem eine tolle Seillänge.
25Sl. 5c+: Diese Seillänge fordert eine gute Nase für den besten Weg über die Platte. Es muss in der Mitte der Länge einmal kurz abgeklettert werden. Die Schlüsselstelle folgt zum Schluss in einer steilen Rissverschneidung.
26Sl. 5c: Die letzte Seillänge auf den Turm folgt einer steilen Verschneidung und fällt für einmal etwas einfacher aus als es der Schweirigkeitsgrad vermuten lässt.
Abseilerei: 15m 

Turm 6
25Sl. 2: Kurzer Marsch über den Grat
26Sl. 4c: Der bekannte Pendelquergang. Der Seilerste klettert ab und auf der Gegenseite (am besten ungesichert) wieder hinauf zum Borhhaken. Der Seilzweite macht einen Kingswing hinüber an den Riss und klettert anschliessend normal nach.
27/28Sl. 6a AO: Nun kommt die berühmte Bohrhakenleiter. Früher wurde am überhängenden Riss links im Leiterlimodus hochgemurkst.  Die Platte ist ganz schön steil, eine freie Begehung dieser Stelle dürfte im oberen 7en-Franzosengrad einchecken. Hat man diese Stelle gemeistert folgt die Krönung im zweiten Teil: Eine traumhafte Kante schwingt sich gegen den Himmel. Hier muss der Schwierigkeitsgrad von 5c+ sicher geklettert werden, denn die Hakenabstände sind weit und legen lässt sich auch nichts. Hammer! Früher wurde diese Seillänge in zwei einzelnen geklettert. Unbedingt zusammenhängen ;-)!
29Sl. 5c: Hier gibt es zwei Varianten. Ich wählte rechts rum. Nach einer Horizontaltraverse darf man nocheinmal richtig klettern.
30Sl. 5a: Weiter bis unter die Gipfelnadel. Stand am besten improvisieren.
31Sl. 2: Über Blockgelände bis zur Gamelle.
32Sl. 5a: Die Gipfelnadel. Exponiert aber einfach an der Kante zum Gipfel. Foto schiessen, fädeln, ablassen und der Seilzweite dann im Toprope.

Begehungsbericht: Wir starteten die Tour in der Salbithütte. Da es bis in die Nacht hinein noch stark geregnet hat, waren unsere Hosen bis an die Knie pflotschnass als wir am Einstieg standen. Der erste Turm war dann auch relativ mühsam, da die Schuhsohlen gar nie richtig abtrockneten und auch immer irgendwie sandig waren. Ab Turm 2 war es dann aber kein Problem mehr und wir genossen die schöne Kletterei bis auf die Gipfelnadel, ohne irgendwann zu stressen oder am Limit zu kratzen. Nach einem schnellen Abstieg gabs noch ein kühles Bier bei Richi bevor es zurück nach Andermatt zu einer wohlverdienten Pizza im Spycher ging. 
Material: Infos zu Material findet man im Internet genug. Simultankletterei und der Einsatz von Rücklaufsperren an Turm 1 lohnen sich sicherlich nur für absolute Könner. Doch hat wohl jeder das Gefühl er sei der Könner ;-). Wir verzichteten heute aufgrund der Nässe darauf. 
 

Fazit: Erleben muss man es selber, alles andere ist sowieso nur "Stammtischgschnurr".

Weitere Routen in der Umgebung: 
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Check-in. Mr. Russi folgt in der ersten Seillänge.

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Turm 2 mit dem legendären Holzkeilriss.

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Die letzten Meter in Richtung Turm 2.

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Blick zum weiteren Gratverlauf. Gut sichtbar der Superkamin aka. Schinderriss.

 

Blick zurück zu Torre II.

 

Torre II & III

 

Raphi und der Superkamin aka. Schinderriss

 

Seillänge 24, die schwierigste 4c am Grat

 

29. Seillänge 5c+

 

Raphi vor der kurzen Abkletterstelle.

 

Salbit Westgrat.

Das Filetstück der Tour. Ähnlich toll wie die Kante am Feldschijen Westgrat.

Bald oben.

 

Weiter gehts nicht mehr...


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Imsand Raphael Bergführer IVBV

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079'898'78'76